Haltung & Engagement

Das Puppentheater Magdeburg zeigt in politisch unruhigen Zeiten Haltung und gesellschaftliches Engagement. Mit unserer Diskursreihe Am roten Faden schaffen wir beispielsweise Räume für Dialog, Reflexion und Begegnung und greifen Themen auf, die Menschen bewegen.

Zugleich vernetzen wir uns mit anderen kulturellen Institutionen aus Sachsen-Anhalt und Deutschland. Denn: Kunst kann Denkanstöße geben, Perspektiven erweitern und den demokratischen Austausch fördern. So übernehmen wir als Theater Verantwortung als kultureller Ort, der Offenheit, Vielfalt und respektvolles Miteinander sichtbar macht.

Kultur ist Vielfalt und Heimat

Die im Mai 2026 gestartete Initiative ist ein gemeinsames Statement von über 140 Kulturakteur*innen aus Sachsen-Anhalt: Darin machen auch wir uns für die Unverhandelbarkeit der Kunstfreiheit, den Schutz demokratischer Werte und ein respektvolles Miteinander stark.

Statement der Kultur in Sachsen-Anhalt

Heimat ist dort, wo Verschiedenheit gelebt und dem Anderen und Fremden mit Respekt begegnet wird. Heimat ist dort, wo Kulturen als gleichwertig anerkannt werden und wir uns auf Augenhöhe begegnen.

Kunst und Kultur verbinden Menschen. Ob Theater, Museum, Bibliothek, Musik- oder Kunstort, soziokulturelle Zentren oder freie Initiativen, wir schaffen Begegnungsräume und halten unsere Gesellschaft offen, vielfältig und lebenswert.

Rechtspopulistische Kräfte greifen die Freiheit der Kunst gezielt an, schüren Verunsicherung und arbeiten an einer rückwärtsgewandten Kultur der Ab- und Ausgrenzung. Demokratische Werte werden infrage gestellt, kulturelle Arbeit delegitimiert und Einfluss auf Inhalte und Programme genommen.

Diese Versuche, Debatten zu verengen, Menschen auszugrenzen und Kunst zu kontrollieren, widersprechen unserem Selbstverständnis. Kultur ist ein Raum demokratischer Auseinandersetzung.

Die Freiheit der Kunst und Wissenschaft ist nicht verhandelbar. Sie schützt Widerspruch, macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar und ermöglicht es, Macht zu hinterfragen. Wo Freiheit eingeschränkt wird, gerät auch die Demokratie in Gefahr.

Wir verteidigen die Kunstfreiheit gegen politische Instrumentalisierung und gegen jede Form der Vereinnahmung. Unsere Häuser sind öffentliche Räume – geprägt von Vielfalt, Differenz und dem Anspruch, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Wir stehen für Offenheit, Respekt und die Würde jedes Menschen. Wir wenden uns gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und demokratiefeindliche Ideologien.

Als Teil der Zivilgesellschaft suchen wir den Schulterschluss mit allen, die diese Werte teilen – in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus, solidarisch mit allen, die für die Freiheit der Kunst viel riskieren.

Als Kulturakteurinnen und Kulturakteure sind wir nicht neutral gegenüber politischem Extremismus – denn das würde bedeuten, neutral zu sein, gegenüber der Verletzung zentraler Prinzipien unseres Grundgesetzes.

Kunstfreiheit ist Grundlage unserer Arbeit – und Maßstab unserer Haltung. Wir stehen für sie ein. Gemeinsam.

Denn Heimat ist dort, wo Vielfalt gelebt und Kunstfreiheit verteidigt wird.

www.kulturvielfaltheimat.de

Kulturinstitutionen warnen vor nationalistisch ausgerichteter Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt

Am 16. April 2026 haben 27 Kulturinstitutionen aus Sachsen-Anhalt, darunter wir, in einer gemeinsamen Erklärung vor dem Versuch gewarnt, historisches Erinnern, Kunst und kulturelle Vielfalt an nationalistischen Leitbildern und Identitätsvorgaben auszurichten.

Gemeinsame Pressemitteilung

Die AfD Sachsen-Anhalt kündigt für den Fall einer Regierungsübernahme eine “neue patriotische Kulturpolitik” an. Die Kulturstiftungen und weitere Kulturinstitutionen des Landes sehen darin den Versuch, historisches Erinnern, Kunst und kulturelle Vielfalt an nationalistischen Leitbildern und Identitätsvorgaben auszurichten. Sie warnen vor einer Entwicklung, die die Freiheit der Kunst, die Offenheit kultureller Institutionen und die demokratisch verankerte Erinnerungskultur grundlegend in Frage stellt.

Das am Wochenende verabschiedete “Regierungsprogramm” kündigt u.a. eine "patriotische
Wende" in der Kulturpolitik an. Es verschiebt den Kulturbegriff grundlegend: Kultur wird nicht
mehr als offener, pluraler Raum verstanden, sondern verengt sich deutlich. Sie wird Instrument zur Herstellung einer parteipolitisch definierten kollektiven Identität. Kultur erscheint in diesem Fall als Ausdruck einer ethnisch homogenen Volksgemeinschaft, deren angebliche
“Identitätsstörung” durch eine “selbstbewusste deutsche Identität” überwunden werden soll. In dieser Ausrichtung treten Elemente einer völkisch-nationalistischen Kulturauffassung deutlich hervor.

Die kulturpolitischen Aussagen des Programms reichen weit über den eigentlichen Kulturbereich hinaus und betreffen auch zentrale Felder wie Bildungs-, Wissenschafts-, Integrations- und Religionspolitik. In den einleitenden Passagen des Kulturteils wird die bestehende Erinnerungskultur als “Verewigung eines Schuldkomplexes” beschrieben, der die “Möglichkeiten einer stabilen nationalen Identitätsbildung verbaut” habe. Zur "Heilung” dieser "Identitätsstörung" wird eine stärkere Fokussierung auf die “guten Seiten der deutschen Geschichte” gefordert. Damit verschiebt sich der Fokus von einer differenzierten, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Erinnerungskultur hin zu einer selektiven Geschichtsdarstellung, in der die deutsche NS-Vergangenheit systematisch geschönt wird.

Auch im Umgang mit der künstlerischen Moderne zeigt sich eine deutliche Abgrenzung. Das Bauhaus wird als Ausdruck von “Identitätslosigkeit” dargestellt; dem wird eine “#deutschdenken”-Kampagne entgegengesetzt. In Verbindung mit Vorgaben für eine an “Bautradition” orientierte Architektur entsteht ein normatives Kulturverständnis, das moderne Strömungen delegitimiert und durch staatliche Leitbilder ersetzt.

Im Bereich der bildenden und darstellenden Kunst wird staatliche Förderung an die “kulturelle Identität” gebunden; insbesondere Theater sollen stärker “deutsche Stücke” berücksichtigen. Damit wird ein inhaltlicher Steuerungsanspruch gegenüber Kulturinstitutionen formuliert.

Diese Tendenzen setzen sich fort: Kulturförderung soll an nationale Identitätsbildung gekoppelt, als “antideutsch” geltende Kunst ausgeschlossen und kulturelle Bildung auf “kulturelle Identität” ausgerichtet werden. Selbst von Vereinen, die eine Landesförderung beantragen, wird dann zukünftig ein “glaubhaftes Bekenntnis” zu einer “patriotischen Grundhaltung” erwartet. Das Kulturkonzept der AfD verdrängt, wie wichtig vielfältige Impulse für eine lebendige Kultur sind. Diese legen den Grundstein für gesellschaftliche Entwicklungen und Erneuerungsprozesse.

Das Verhältnis zu den beiden großen Kirchen als Trägern kulturellen Lebens ist widersprüchlich: Einerseits gelten sie als identitätsstiftend, andererseits wird ihnen “Regenbogenideologie” vorgeworfen. Förderentscheidungen werden auch hier an politische Konformität geknüpft.

Insgesamt folgt diese Programmatik einem klar erkennbaren Muster: Erinnerung wird selektiv umgedeutet, Kunst normiert, Institutionen ab- und umgebaut und Förderung politisch instrumentalisiert. Darüber hinaus wird Sachsen-Anhalt als “Musterland der Kulturpolitik” positioniert, das eine “Strahlwirkung auf andere Bundesländer” entfalten soll. Das Programm benennt die kulturpolitische Entwicklung Ungarns unter dem abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán als “Vorbild und Inspiration”. Damit orientiert sich die AfD Sachsen-Anhalt an einem Modell, das auf eine enge Verknüpfung von Staat, Kultur und nationaler Identität sowie die politische Einflussnahme auf Kulturinstitutionen und die Einschränkung von Vielfalt und Meinungsfreiheit zielt.

Das Land Sachsen-Anhalt wurde 1990 gegründet. Dabei wurden Regionen unterschiedlicher kultureller und historischer Identität zusammengefasst. Seine Landesidentität definiert sich wesentlich über verbindende historische Ereignisse und das gemeinsame künstlerische und kulturelle Erbe. Sachsen-Anhalt steht mit dem Wirken des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau in Wörlitz am Beginn der Aufklärung. Freiheit und Toleranz sind in Sachsen-Anhalt gelebte Grundwerte. Es ist ein Kulturland ersten Ranges, mit einer der höchsten Dich-
ten an bedeutenden Denkmalen in Mitteleuropa. Dem Schutz und Erhalt dieses verbindenden Erbes haben sich die unterzeichnenden Kulturinstitutionen auf Grundlage der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, der im Grundgesetz verankerten Ideale von Toleranz und Vielfalt und der Wissenschafts- und Kunstfreiheit verschrieben. Ein Angriff auf Kunst, Kultur und Geschichte, ihre ideologische Instrumentalisierung, treffen die Bürgerinnen und Bürger des Landes im Kern ihrer Identität.

Die Unterzeichnenden halten dem entgegen: Kulturpolitik darf nicht zur nationalistischen Instrumentalisierung von Geschichte und Kultur missbraucht werden. Die Freiheit der Kunst, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und eine an demokratischen Werten orientierte Erinnerungskultur bleiben unverzichtbar. Ihre entschlossene Wahrung sichert nicht nur die vitale und vielfältige Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt, sondern stärkt zugleich gesellschaftlichen Zusammenhalt, Pluralität sowie die Grundlagen unseres demokratischen Gemeinwesens.

Hier als PDF downloaden.

Die Vielen Sachsen-Anhalt

Das Puppentheater Magdeburg ist Teil des Netzwerks “Die Vielen” – einer Initiative von Kultureinrichtungen und Künstler*innen, die klare Haltung beziehen gegenüber Rechtsextremismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Angriffen auf die Kunstfreiheit.

Gemeinsame Erklärung

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt

In Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus eines der größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurde. In diesem Land wurde Kunst als entartet diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Künstler*innen. Als Kulturschaffende in Deutschland tragen wir deshalb eine besondere Verantwortung.

Heute begreifen wir die Kunst als frei. Ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs, Konzertsäle und Kulturzentren sind offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. In einer Demokratie muss täglich neu verhandelt werden, mit einer Vielfalt an Möglichkeiten der Auseinandersetzung, auch mit Mitteln der Kunst. Immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n.

Rechter Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer rückwärtsgewandten Kultur der Ab- und Ausgrenzung. Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sollten sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern.

Auch in unserem Bundesland Sachsen-Anhalt arbeiten zahlreiche völkisch-nationalistische und rechtsextreme Kräfte Hand in Hand und versuchen mit allen Mitteln, gegen eine demokratische und weltoffene Gesellschaft anzukämpfen. Rechte Gewalt nimmt zu, Alltagsrassismus und strukturelle Ausgrenzung werden gesellschaftsfähiger und zerstören das menschliche und demokratische Miteinander. Dem stellen wir uns entschieden entgegen.

  • Wir als Unterzeichnende der Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrer Interessensverbände Sachsen-Anhalts vertreten eine klare Haltung: Wir, die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen, führen den offenen und kritischen Dialog über rechte Strategien, die demokratische Grundwerte untergraben. Wir gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass wir den Auftrag haben, unsere demokratische Gesellschaft als eine freie, offene und plurale Gemeinschaft fortzuentwickeln.

  • Wir fördern im Sinne der Demokratie Debatten, bieten aber kein Podium für Propaganda. Wir wehren Versuche von Rechtsextremen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

  • Wir setzen uns für eine vielfältige und freie Kunst- und Kulturszene in Sachsen-Anhalt ein.

  • Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die auf Basis rechter Ideologien an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.
    Für eine offene Gesellschaft. Es geht um Alle. Die Kunst bleibt frei!

www.dievielen.de

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